Grusswort vom Platzhalter an der Vernissage im AKKU

Im Rahmen der Ausstellung «Stadt, Land, Fluss» hat Verein Platzhalter ein Grusswort am 31. August 2018 an die Anwesenden an der Vernissage gerichtet.

Guten Abend liebe Kunstinteressierte, oder soll ich lieber «Grüezi» sagen, wie auf dem Land? Ich komme darauf zurück.

Wir sind also Platzhalter: Nicht nur als Verein, sondern vor allem mit dem, was wir am Seetalplatz für mindestens drei Jahre tun werden: Wir mieten eine Brache und lassen sie lebendig werden. Passend zur heutigen Ausstellungseröffnung machen wir das, geografisch gelegen, irgendwo zwischen Stadt, Land und Fluss.

Im Grunde genommen sind wir ein kleines Dorf: 14’000 m2 hartes Pflaster, Wiesen, Schotter- und Kiesflächen. Entstanden ist das Dorf nur, weil ein grosses Gewitter getobt hat, und weil aus einem kleinen Kreisel mit Bäumen in der Mitte ein ganz grosser Kreisel geworden ist. In unserem Dorf arbeiten wir und unsere Untermieter in Containern; gerade heute ist der erste Mieter eingezogen. Wir kennen uns gegenseitig beim Namen und sagen «Grüezi», wenn wir uns draussen treffen. Bald eröffnet unsere Beiz. Wir haben schon 200 Sonnenblumen gepflanzt und der Spatz, der uns die Gipfeliresten frisst, hat einen Namen: er heisst Fridolin. Sie hören es: Ländlicher zu und her gehen, als bei uns, kann es schon fast nicht mehr.

Als Platzhalter interessiert uns auch die Zeit, die nach dem Dorf kommt. Hat Ihnen am neuen „Bahnhofplatz Emmenbrücke Süd“ schon jemand «Gruezi» gesagt oder sogar den Hut genommen? Wohl kaum. Der Busbahnhof, das ist dort, wo behauptet wird, der Himmel sei immer blau. Ein städtischer Ort: Dort kreuzen sich tagtäglich Busse und Pendler aus allen Himmelsrichtungen. Für uns Platzhalter (hinter der blauen Wand) und für Emmen ist der neue Bahnhofplatz deshalb ein unübersehbares Indiz dafür, was bald kommt oder vielleicht schon ist: Ein neues Stück Stadt Emmen! Der Stadtplaner würde an dieser Stelle sagen, es fehlen dazu nur noch Büros, Wohnungen und Läden. Wir sagen: Dort, wo vorher nur ein Kreisel und Autoexport waren, braucht die neue Stadt zunächst einen Raum, wo Menschen etwas selber tun oder erleben können. Genau das wollen wir erreichen. Sie können nun sagen, da habt ihr euch in eurem Dorf mitten in einem Verkehrskreisel aber sehr viel vorgenommen! Ja, Das haben wir.

Das Pflaster ist hart: Emmen will sich bekanntlich partout nicht Stadt nennen und der eigentliche Dorfplatz hat sich schon längst im EmmenCenter etabliert. Kommt dazu: Die nächste öffentliche Toilette von uns aus liegt, Insider wissen es, tatsächlich erst am Nordpol! (Hinweis Nordpol: liegt direkt an der Grenze zu Luzern)

Für uns Platzhalter ist das alles halb so wild. Im Gegenteil: Emmen hat uns inspiriert, weil Stadt nie einfach nur dort ist, wo sie gerade geplant wird, oder wo hohe Häuser stehen, oder über Nacht mehrere Hundert Studenten einziehen. Vielleicht ist es auch so: Bei dem, was wir als Stadt oder Land uns vorstellen oder wünschen, handelt es sich zunächst um eine Sache, die im Kopf stattfindet, auf den Punkt gebracht: Stadt muss man wollen!

A propos Stadt im Kopf: Treffen sich zwei Jugendliche im Bus Nr.2 in Richtung Luzern: die eine fragt: «Gehst du auch in die Stadt?», «ja voll»!. Interessant an diesem Dialog ist neben der Kurzantwort das Wörtchen «in». Die beiden gehen also „in“ die Stadt. Ähnliches habe ich auf anderen städtischen Buslinien schon gehört, etwa im Schöhnbühl, im Wesemli und sogar am Bundesplatz im Bus Nr.7! Wahrscheinlich ist es in Luzern sogar so, dass nur jene von sich behaupten, sie seien schon «in» der Stadt, die über einer Uhrenboutique oder einem Schuhladen wohnen: spannend wäre eine nähere Untersuchung dazu allemal!

Als Platzhalter behaupten wir, dass wir mit unserem „städtisch gelegenen Dorf“, die nächsten Jahre eine Möglichkeit bieten können, die Kopf-Bilder zu Stadt. Land. und Fluss neu zu beglücken, etwas durcheinander zu bringen oder einfach zu schärfen. Ähnliches hat wohl auch AKKU seit Jahren mit der Gemeinde Emmen im Sinn. Wir haben dazu – leider – weniger Zeit dafür aber – zugegeben – viel mehr Platz zur Verfügung.

LIEBE ANWESENDE: Für Emmen und alle, die Lust haben auf Platzhalter und unser Projekt mit dem Namen „NF49“ bleiben wir so lange am Seetalplatz aktiv, bis wir uns Fluss auf oder abwärts einen neuen Ort suchen müssen, damit, nach uns, die geplante Stadt einziehen kann. Heute Abend sitzen wir jedoch zuerst noch mit der Ausstellung Stadt Land Fluss, mit dem Off-Space Akku, mit Bildern aus der Zeit der Gemeindegalerie und mit aktueller Kunst sinnbildlich in einem Boot – und das freut uns sehr.

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